Entstehung und Entwicklung der mittelalterlichen Zunftzeichen, die mit ihrer Symbolik das jeweilige Handwerk darstellten, setzten sich in der Moderne fort. Selbst heute noch finden sich in den Gassen von deutschen Altstädten die horizontal von der Wand weghängenden Nasenschilder aus Eisen, die auf die einstigen Zünfte verweisen. Auch die Nachfolger dieser Zünfte, die heutigen Handwerksinnungen, beziehen sich gegenwärtig mit den symbolisierenden einstigen Zunftzeichen auf die Berufe des Mittelalters.

Neue Handwerksberufe

Das deutsche Handwerk des 21. Jahrhunderts ist also nach wie vor traditionell und versteht sich in der Nachfolge seiner mittelalterlichen Vorgänger. Entwicklungen, die im damaligen Handwerk durch Differenzierung und Spezialisierung beispielsweise innerhalb der Bäckerzunft stattfanden, setzten und setzen sich fort. Seit dem Aufbau der deutschen Innungen anno 1871, dem Jahr der Gründung des Deutschen Reichs, spezialisierten sich die Handwerksberufe nicht nur. Auch kamen neue hinzu, denn die gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen veränderten sich in den letzten Jahrzehnten durch Technisierung, Technologisierung und Digitalisierung. So entstand eine Vielzahl neuer Handwerksberufe.

Die moderne E-Marke

Wie stark die mittelalterlichen Zunftzeichen auch heutiges Handwerk beeinflussen, wird am Beispiel der elektro- und informationstechnischen Handwerke, der sogenannten E-Handwerke, deutlich. Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke, ZVEH, tritt mit einer E-Marke in die Öffentlichkeit, die den Kleinbuchstaben ‚e’ beim Ausschwingen als einen Stromkreislauf andeutet. Dieses Zunftzeichen der Moderne fasst zusammen, worum es im E-Handwerk heute geht.

Verschiedene Fachrichtungen

Auch zeigt sich hier, wie die Entwicklung des Berufs der Elektrikerin und des Elektrikers fortgeschritten ist. Dabei sind nach wie vor Ähnlichkeiten zu Veränderungen in einstigen mittelalterlichen Berufen zu erkennen. So gibt es den Beruf des Elektrikers beziehungsweise der Elektrikerin in seiner ursprünglichen Form schon lange nicht mehr. Der ZVEH, der sich als Bundesinnungsverband der elektro- und informationstechnischen Handwerke versteht, konzentriert sich heute vielmehr auf die Berufe der Elektrotechniker und -technikerinnen, Informationstechniker- und technikerinnen sowie Elektromaschinenbauer und -bauerinnen. Selbst die dem jeweiligen Berufsprofil entsprechenden Ausbildungsberufe erfordern heute verschiedene Fachrichtungen. Das E-Handwerk ist also komplexer und anspruchsvoller geworden.