Die Menschen im Mittelalter waren sowohl in Europa als auch auf deutschem Gebiet zu einem Großteil des Lesens und Schreibens unkundig. Es gab damals zwar die mittelalterlichen Schreibstuben, in denen vor allem Rechtsgeschäfte wie beispielsweise Landkäufe festgelegt wurden. Zudem konnten die Menschen vor allem an den Höfen, in den Klöstern und Städten vereinzelt lesen und schreiben. Der Gutenbergsche Buchdruck und die Gutenberg-Bibel begannen erst um die Mitte des 15. Jahrhunderts die Gesellschaft zu revolutionieren. Deshalb waren die Zunftzeichen des deutschen Mittelalters lange Zeit eine Möglichkeit für den Handwerker, sich innerhalb seiner Organisation Identifikation zu verschaffen und nach außen auf sich aufmerksam zu machen.

Symbole

Diese Zunftzeichen bezogen sich auf ein bestimmtes Handwerk und seine Tätigkeit. Sie repräsentierten mit Symbolen die jeweilige Arbeit. Dargestellt waren beispielsweise bei den Bäckern die Brezel, bei den Goldschmieden mehrere Ringe. Die Fischer zeigten Fische in ihrem Zeichen, die Schlosser Schlüssel und die Putzmacher einen Kopf mit Hut. Dabei war dies bereits eine Zeit, in der die Arbeiten in den jeweiligen Handwerken sich zu differenzieren und spezialisieren begannen. Es gab damals zwar die Schuhmacherzunft. In dieser fanden sich jedoch jene Schuhmacher wieder, die neue Schuhe herstellten, sowie die sogenannten Altflicker, die sich auf die Reparatur von Schuhen konzentrierten. Auch die Bäcker spezialisierten sich auf Roggen- oder Weißmehlprodukte. Dadurch verbesserten sich die Qualifikationen von Meistern, Gesellen und Lehrlingen und auch die Qualität von Arbeit und Produkten. Produktivitätssteigerung war die Folge.

Nasenschilder

Dass die Zunftzeichen der Werbung dienten, zeigen die Nasenschilder. Sie waren zumeist aus Eisen und durch die Schmiede hergestellt, hingen an Hauswänden und wiesen horizontal wie eine Nase von der Hauswand in die Gasse. Die Nasenschilder zeigten häufig die Zunftzeichen und machten auf das jeweilige Handwerk, seine Arbeit und Produkte aufmerksam. So gerieten die Nasenschilder und Zunftzeichen zur Werbung eines Berufsstands. Auch die Gasthöfe machten auf diese Art auf sich aufmerksam. Wirtschaften, die beispielsweise ihr Nasenschild in der Gasse hängen hatten und ‚Zum Bären’ hießen, zeigten symbolisch, wer sie waren.