Das deutsche Mittelalter umfasste drei Phasen – das Früh-, Hoch- und Spätmittelalter in einer Zeit von etwa 900 bis 1500 nach Christus. Die Gesellschaft begann damals, sich langsam aus der Feudalherrschaft herauszuarbeiten. Diese Zeit war der Anfang eines Rechtssystems, und dieser Anfang wurde auch durch die Handwerkszünfte, wie sie in den damaligen Städten entstanden, mitbestimmt. Das Mittelalter war eine politisch, historisch und sozial interessante Phase gesellschaftlicher Entwicklung, innerhalb derer die Zünfte zwar Möglichkeiten hatten, sich zu bilden und ihre Arbeit und Anstellungsbedingungen zu regeln. Sie erwirkten jedoch wenig, wenn es um politische Einflussnahme ging.

Strenge Regeln

Einer der Gründe war, dass die Handwerkszünfte im Gegensatz zu den Handelsleuten sich nur auf das Wirken innerhalb ihrer Zunft bezogen. Da sie zudem durch strenge Regeln der Zunftordnungen darauf bedacht waren, ihre Berufe ohne Konkurrenz, jedoch unter Überwachung beispielsweise der Ausbildungen oder auch der Preise auszuüben, funktionierten sie zwar innerhalb ihrer Berufsorganisationen nach machtorientierten Strukturen. Handwerker verdienten jedoch bei Weitem nicht so viel wie Kaufleute, die durch den Handel mit Waren zu Geld kamen und damit die Grundlage für eine andere Preispolitik legten. Dadurch entstand eine Zwei-Klassen-Gesellschaft der Berufe, in der einerseits die Handwerker ihre wirtschaftliche, soziale und politische Aufgabe innerhalb der Zunft wahrnahmen, andererseits jedoch die Handelsleute zu größerem Wohlstand und damit auch verstärkter politischer Einflussnahme kamen.

Organisation in den Städten

In dieser Zeit organisierten sich die Handwerksberufe in den deutschen Städten, sodass das Zunftrecht eine Angelegenheit dortiger sozialer und politischer Verhältnisse war und auf dem Land keine Bedeutung hatte. In ländlichen Gegenden übten die Handwerker deshalb ihre jeweiligen Berufe zunftfrei aus. Die autokratische Gesellschaft jener Zeit spiegelte sich in der Organisation und im Vorgehen der städtischen Zünfte wider. Der Status der jeweiligen Handwerker war festgelegt, denn es gab die Meister, Gesellen und Lehrlinge, wobei die Gesellen und Lehrlinge zwar als zunftzugehörig verstanden wurden, jedoch Mitglieder minderen Rechts waren. Der Aufstieg zum Meister war unter bestimmten Bedingungen möglich und folgte damaligen Regeln.